Dienstag, 28. April 2009

Kein Samariá für uns

Auch wenn das Wetter heute mitgespielt hätte, nach 2 Stundenn Anfahrt mit dem Auto, 45 Minuten Busfahrt zur Einfahrt der Schlucht, 6 Stunden Marsch, einer halben Stunde Fähre und 2 Stunden Busfahrt, hätte ich mir nicht mehr zugetraut nochmal 2 Stunden mit dem Auto bis zum Hotel zu fahren. Egal, da haben wir (neben dem Veggera) einen Grund nochmal her zu kommen.

So wurde es ein netter Tag ohne Stress, und wir haben uns das Hinterland von Iráklion angesehen. Der Ausblick von hier oben zeigt, wie groß die Hauptstadt Kretas tatsächlich ist.

Morgen ist Abflugtag, um 21 Uhr Ortszeit geht der Flieger, und zum Abschluss gönnen wir uns noch etwas Naturkundliches, und keine Kultur mehr. Mal sehen, ob das Cret@quarium so interessant ist, wie es klingt.

Das große Fressen

Durch einen kleinen Bericht im Internet auf das Dorf Zarós aufmerksam geworden, hier sollen die einzigen Forellen auf ganz Kreta und zusätzlich heute ein Mittelmeerkochwettbewerb sein, sind wir dorthin aufgebrochen. Dank einer Umleitung, die eigentlich überhaupt nicht ausgeschildert ist, hat es deutlich länger gedauert als geplant.

Auf dem Umweg kamen wir dann ungeplanterweise an der kleinen Labyrinthhöhle vorbei, den einzigen momentan begehbaren Teil des kilometerlangen, künstlich geschaffenen, Labyrinthkomplexes unter Kreta. Wobei begehbar sehr relativ ist. Der Eingang der Höhle wird von einigen Wildbienenvölkern als Heimstatt benutzt, und ein Hineinkommen ist ohne  angeborene Schmerzunempfindlichkeit und Immunität gegen Insektengift wohl nicht möglich. Somit hat es gerade noch für ein Fluchtbild des Eingangs gereicht, dementsprechend verwackelt.

Endlich in Zarós angekommen, konnten wir zwar den Stausee mit den aus Kanada importierten Forellen finden, aber von Kochwettbewerb keine Spur.


Um trotzdem nicht zu verhungern, sind wir in die kleine Taverne "Veggera" im Ort gegangen, laut dem Internetbericht ein Geheimtipp. Wenn ich gewusst hätte, was uns da erwartet, hätte ich das Frühstück ausfallen lassen. Es gibt keine Speisekarte, gegessen wird, was auf den Tisch kommt, und einem selber schmeckt.

Angefangen hat es ganz harmlos mit Wasser aus eigener Quelle und selbergemachtem Wein.

Kurz darauf kam auch schon der erste Gang, Brot und Feta. Dicht gefolgt vom zweiten Gang, in Olivenöl gebratenem Gemüse.

Das Gemüse war noch nicht komplett verputzt, schob unsere Gastgeberin auch schon Gang drei, die Moussáka nach.

Und ja keine Müdigkeit vortäuschen, das Essen ging weiter. Mit Schweinefilet, gebraten in Nudeln.

Um den Magen nicht untätig werden zu lassen kam danach auch gleich die erste Nachspeise, Yoghurt mit Honig und Walnüssen.

Und wenn es eine erste Nachspeise gibt, dann muss auch eine zweite, aber dann doch finale, Nachspeise, kleine Nussröllchen, mit dem obligatorischen Rakí folgen.

Um es kurz zu machen, wir waren danach auch Röllchen. Schlachtreif gemästet bis zum Anschlag mit hervorragendem Essen und Trinken. Und das für 10€ pro Person. Kein Witz, ich hab es fast nicht geglaubt, als wir nur 20€ zahlen sollten.

Solltet ihr nach Kreta fahren, geht unbedingt nach Zarós ins Veggera zum Essen, sonst habt ihr Kreta nicht erlebt!

Montag, 27. April 2009

Fauler Tag und gutes Essen

Nach den Strapazen der letzten beiden Tage war heute ein Faulenzer Tag angesagt, der nur unterbrochen wurde zur Besichtigung des Archäologischen Museums in Iráklio. Dort sind einige (in meinen Augen für das Geld zu wenige) Exponate ausgestellt, die größtenteils in den Palästen Knossós, Faistós, Ágia Triáda und Kato Zákros gefunde wurden. Auch einiges aus Gortyna und den einzelnen nahegelegenen kleineren Siedlungen ist ausgestellt. Im Prinzip sehr interessant, nur leider viel zu wenig fürs Geld.

Danach ging es ein bisschen durch die Innenstadt von Iráklio. Man glaubt nicht wirklich, durch eine Stadt zu laufen, die mehr Einwohner hat als Regensburg. Kann natürlich daran liegen, dass es Sonntag war.

Den Abend haben wir gerade eben mit einem Essen im nahegelegenen Hersonnisos beschlossen, in der Taverna Sofa's. Das Essen war gut, der Wein ebenfalls, und für 30€ mit Vorspeise und abschließendem Kuchen und Rakí kann man sich echt nicht beschweren, vor allem, da das für zwei war, und nicht für jeden.


Jetzt geht es langsam ins Bett, morgen beginnt die Planung für das Monster! 18km sag ich nur! Mir tun jetzt schon die Füße weh...

Sonntag, 26. April 2009

Der Abstieg ins Totenreich Teil II

Die Strecke, die über Nacht eigentlich nur Nerven gekostet hat, ist tagsüber, und mit einem funktionierenden Fahrzeug deutlich schöner. Und das Wetter hat auch wieder mitgespielt, Sonnenschein von Anfang bis Ende. Und auch wenn der Tag genauso lang werden sollte, wie der Freitag, war er doch um Längen angenehmer.



Um nicht so kurz vor dem Ziel wieder aufgeben zu müssen, sind wir dieses mal ohne Stop durchgefahren bis Kato Zákros. Hier am Ausgang des Tals der Toten steht der kleinste der vier Minoischen Königspaläste. Erst in den 60er Jahren gefunden, und bis dahin noch völlig ungeplündert, haben sich hier die meisten Utensilien finden lassen, und auch einige Räume, die in den anderen Palästen nicht gefunden oder zugeordnet werden konnten, unter anderem eine große Küche. Die Besonderheit dieses Palastes ist, dass er sehr nah an der Küste gebaut wurde, und wohl ständige Frischwasserquellen hatte. Deutlich wird das an der großen Zahl an rituellen Brunnen und Zisternen. Der Quellbrunnen soll etwas mehr als 12 Meter in die Tiefe geführt haben. Die Landmasse ist hier allerdinigs massiv abgesunken, so dass von den 12 Metern nur noch etwa einer übriggeblieben, und das ganze Gebiet etwas matschig ist. Und das Wasser wird heute noch genutzt, allerdings nur noch von Sumpfschildkröten.



Zurück in Zákros ist uns noch ein Schild aufgefallen, das auf eine Quelle Zákros hingewiesen hat. Das Ganze hat dann zu einer kleinen, überschwänglich von Pflanzen überwucherten Schlucht mit kleinem Wanderweg geführt, die anscheinend ständig Frischwasser trägt, das dann auch zur Limonadenherstellung genutzt wird. Die Limonade war uns allerdings ziemlich egal, da wir mitten in eine Beerdigung geplatzt sind.



Der nächste Halt war dann am Kloster Tóplou, eines der bekannteren Klöster Kretas. Und durch die Bekanntheit ist das ganze eigentlich auch nur noch Touristenfang. 3€ Eintritt für eine kleine Kirche und ein Museum mit 2 winzigen Räumen ist deutlich zuviel. Und Bilder machen darf man drinnen auch nicht, und man wird auf Schritt und Tritt von Kameras und kretischen Frauen beobachtet. Pfff.



Letzte Station vor der Heimfahrt war dann der Palmenstrand von Vái.



Natürlich sind wir wieder nass geworden, aber man kann ja auch in der Sonne trocknen.




In Neápolis gab's dann noch leckere Soutzoukákias und um 23 Uhr sind wir wieder wohlbehalten im Hotel, ohne kratzende Bremsen, dafür mit klackerndem Motor, angekommen. Die Autos der Kreter sind wirklich hart an der Grenze, aber die nächsten Tage wird Schnecki II. schon durchhalten. Hoffentlich.

Der Abstieg ins Totenreich Teil I

Nachdem die letzten beiden Tage ziemlich lang wurden, und sich auch noch Schnecki I. verabschiedet hat, der postwendend durch Schnecki II. ersetzt wurde, erst jetzt der Bericht der letzten beiden Tage.

Der Freitag fing leider wieder etwas verregnet an. Wir hatten jedoch (fast immer) das Glück, immer dann auszusteigen, als der Himmel aufgerissen ist, und die Sonne durchgespitzt hat.

Erste Station war die versunkene Stadt Ólous bei Eloúnda. Man sieht leider nur noch schemenhaft unter dem Wasser einige Grundmauern von Häusern. Etwas weiter außerhalb soll angeblich noch mehr zu sehen sein, aber dafür hätten wir ein Ausflugsboot nehmen müssen, dass natürlich nur vom weiter entfernten Àgios Nikólaos gefahren wäre. Egal, dafür konnten wir das Mosaik der frühchristlichen Basilika vor Ort sehen, das wäre mit Schiff nicht möglich gewesen.



Weiter ging’s mit dem zweite Versuch, die Leprainsel Spinalonga zu sehen, und ja, dieses mal ist es uns gelungen. Allerdings nur von der anderen Uferseite, da uns 15€ pro Person für die Überfahrt von knapp 10 Minuten und den Eintritt doch zu heftig waren. Egal, von außen ist es beeindruckend genug, und man kann sich die Verzweiflung vorstellen, wenn man als Kranker mit Hunderten anderen auf der kleinen Insel eingepfercht wird, und das Festland so nah und doch so unerreichbar ist. Die Insel ist übrigens wasserlos und die umliegenden Orte haben sich bis zur Auflösung der Kolonie in den 60er Jahren dumm und dämlich verdient, weil sie als einzige Lieferanten überhöhte Preise für Lebensmittel verlangen konnten.



Weiter ging es Richtung Osten nach Gourniá, eine minoische Handwerkssiedlung, eine der größten Städte zur damaligen Zeit, jedoch ohne König, sondern nur mit Statthalter und dementsprechend kleinem Palast.



Danach sind wir nach Ierápetra gefahren, die einzige größere Stadt im Süden Kretas, direkt an der „Wespentaille“ der Insel gelegen. Man erkennt hier erneut den starken venezianischen Einfluss, und einst soll Napoleon hier inkognito übernachtet haben. Das Haus ist allerdings nur schwer zu finden, da es nicht besonders markiert ist, und man sich doch bitte einen Fremdenführer nehmen soll, wenn man es sehen will. Wir haben es trotzdem gefunden. Und nein, es ist nicht beeindruckend. Und nein, es ist historisch nicht belegt, ob er überhaupt dort war.



Anstatt die Schnellstraße zu nehmen, haben wir uns entschlossen, die langsamere aber schönere Strecke über die Chandrás-Hochebene zu nehmen. Hier kommt der beste Honig Kretas her, und man sieht auch wirklich überall zig Bienenstöcke in der Gegend rumstehen.

Kurz vor Etiá findet sich ein alter venezianischer Gutshof der Familie DiMezzo aus dem 15. Jahrhundert, der inzwischen wieder teilweise restauriert wurde.



Etiá selber hat zwei Gesichter. Zum einen das einer toten Stadt, die alte inzwischen verlassene Siedlung. Und etwas später ein winziges noch bewohntes Dorf. Warum die alte Siedlung aufgegeben wurde, wäre sicherlich auf der aufgestellten Infotafel gestanden. Nur schade, dass das Papier darin inzwischen so vergilbt und verwittert ist, dass man gar nichts mehr erkennen kann.



Chandrás ist dann der Knotenpunkt auf der Ebene, und das ist er nur, weil sich hier die Straßen von Norden, Osten, Süden und Westen kreuzen, nicht wegen dem mickrigen Örtchen selber.



Nicht weit entfernt, findet sich die mittelalterliche Siedlung Vóila, ebenfalls venezianischem Ursprungs, angeblich erkennbar an dem Trutzturm. Hier war dann auch der einzige Punkt, an dem das Wetter, aber erst kurz vor unserer Weiterfahrt, nicht gehalten hat, und wir etwas vom Regen erwischt wurden.



Dann war auch schon das Ende der Hochebene erreicht, und wir begannen den Abstieg über etliche Serpentinen nach unten Richtung Zákros und dem Tal der Toten. Und wenn auch der Regen bei Vóila unangenehm war, nachdem die Sonne wieder etwas mehr rauskam, hat uns der Ausblick von der Ebene in die nächste Schlucht und das Farbenspiel der Regenbögen wieder mehr als entschädigt.




Dumm nur, dass auf den Serpentinen dann die Bremsen anfingen seltsame metallische Laute von sich zu geben. Ob sie „nur“ überhitzt waren, oder tatsächlich hinüber sind, werden wir nie erfahren.

Nach vielen Telefonaten und einem Aufenthalt von gut einer Stunde in Zákros, nur noch gut 20 Minuten vom Ziel unserer Fahrt entfernt, mussten wir unverrichteter Dinge mit dem angeschlagenen Auto noch bis nach Ágios Nikólaos zurück. Um es kurz zu machen, das waren die bisher schlimmsten zwei Stunden auf Kreta. Durchwegs Schlangenstraßen nach oben und unten, und keine Ahnung, ob die Bremsen noch durchhalten. Die Erleichterung, die Lichter von Ágios Nikólaos zu sehen, war dann aber doch noch etwas verfrüht.



Nur, weil ein Ort nah ist, heißt das noch nicht, dass man schnell da ankommt. Wir haben noch deutlich über eine halbe Stunde gebraucht, um endlich, am Ende mit den Nerven, in ein neues Auto steigen zu können, und um halb zwölf im Hotel anzukommen.

Der Samstag folgt im nächsten Eintrag.