Nachdem die letzten beiden Tage ziemlich lang wurden, und sich auch noch Schnecki I. verabschiedet hat, der postwendend durch Schnecki II. ersetzt wurde, erst jetzt der Bericht der letzten beiden Tage.
Der Freitag fing leider wieder etwas verregnet an. Wir hatten jedoch (fast immer) das Glück, immer dann auszusteigen, als der Himmel aufgerissen ist, und die Sonne durchgespitzt hat.
Erste Station war die versunkene Stadt Ólous bei Eloúnda. Man sieht leider nur noch schemenhaft unter dem Wasser einige Grundmauern von Häusern. Etwas weiter außerhalb soll angeblich noch mehr zu sehen sein, aber dafür hätten wir ein Ausflugsboot nehmen müssen, dass natürlich nur vom weiter entfernten Àgios Nikólaos gefahren wäre. Egal, dafür konnten wir das Mosaik der frühchristlichen Basilika vor Ort sehen, das wäre mit Schiff nicht möglich gewesen.



Weiter ging’s mit dem zweite Versuch, die Leprainsel Spinalonga zu sehen, und ja, dieses mal ist es uns gelungen. Allerdings nur von der anderen Uferseite, da uns 15€ pro Person für die Überfahrt von knapp 10 Minuten und den Eintritt doch zu heftig waren. Egal, von außen ist es beeindruckend genug, und man kann sich die Verzweiflung vorstellen, wenn man als Kranker mit Hunderten anderen auf der kleinen Insel eingepfercht wird, und das Festland so nah und doch so unerreichbar ist. Die Insel ist übrigens wasserlos und die umliegenden Orte haben sich bis zur Auflösung der Kolonie in den 60er Jahren dumm und dämlich verdient, weil sie als einzige Lieferanten überhöhte Preise für Lebensmittel verlangen konnten.

Weiter ging es Richtung Osten nach Gourniá, eine minoische Handwerkssiedlung, eine der größten Städte zur damaligen Zeit, jedoch ohne König, sondern nur mit Statthalter und dementsprechend kleinem Palast.




Danach sind wir nach Ierápetra gefahren, die einzige größere Stadt im Süden Kretas, direkt an der „Wespentaille“ der Insel gelegen. Man erkennt hier erneut den starken venezianischen Einfluss, und einst soll Napoleon hier inkognito übernachtet haben. Das Haus ist allerdings nur schwer zu finden, da es nicht besonders markiert ist, und man sich doch bitte einen Fremdenführer nehmen soll, wenn man es sehen will. Wir haben es trotzdem gefunden. Und nein, es ist nicht beeindruckend. Und nein, es ist historisch nicht belegt, ob er überhaupt dort war.




Anstatt die Schnellstraße zu nehmen, haben wir uns entschlossen, die langsamere aber schönere Strecke über die Chandrás-Hochebene zu nehmen. Hier kommt der beste Honig Kretas her, und man sieht auch wirklich überall zig Bienenstöcke in der Gegend rumstehen.
Kurz vor Etiá findet sich ein alter venezianischer Gutshof der Familie DiMezzo aus dem 15. Jahrhundert, der inzwischen wieder teilweise restauriert wurde.




Etiá selber hat zwei Gesichter. Zum einen das einer toten Stadt, die alte inzwischen verlassene Siedlung. Und etwas später ein winziges noch bewohntes Dorf. Warum die alte Siedlung aufgegeben wurde, wäre sicherlich auf der aufgestellten Infotafel gestanden. Nur schade, dass das Papier darin inzwischen so vergilbt und verwittert ist, dass man gar nichts mehr erkennen kann.

Chandrás ist dann der Knotenpunkt auf der Ebene, und das ist er nur, weil sich hier die Straßen von Norden, Osten, Süden und Westen kreuzen, nicht wegen dem mickrigen Örtchen selber.

Nicht weit entfernt, findet sich die mittelalterliche Siedlung Vóila, ebenfalls venezianischem Ursprungs, angeblich erkennbar an dem Trutzturm. Hier war dann auch der einzige Punkt, an dem das Wetter, aber erst kurz vor unserer Weiterfahrt, nicht gehalten hat, und wir etwas vom Regen erwischt wurden.







Dann war auch schon das Ende der Hochebene erreicht, und wir begannen den Abstieg über etliche Serpentinen nach unten Richtung Zákros und dem Tal der Toten. Und wenn auch der Regen bei Vóila unangenehm war, nachdem die Sonne wieder etwas mehr rauskam, hat uns der Ausblick von der Ebene in die nächste Schlucht und das Farbenspiel der Regenbögen wieder mehr als entschädigt.


Dumm nur, dass auf den Serpentinen dann die Bremsen anfingen seltsame metallische Laute von sich zu geben. Ob sie „nur“ überhitzt waren, oder tatsächlich hinüber sind, werden wir nie erfahren.
Nach vielen Telefonaten und einem Aufenthalt von gut einer Stunde in Zákros, nur noch gut 20 Minuten vom Ziel unserer Fahrt entfernt, mussten wir unverrichteter Dinge mit dem angeschlagenen Auto noch bis nach Ágios Nikólaos zurück. Um es kurz zu machen, das waren die bisher schlimmsten zwei Stunden auf Kreta. Durchwegs Schlangenstraßen nach oben und unten, und keine Ahnung, ob die Bremsen noch durchhalten. Die Erleichterung, die Lichter von Ágios Nikólaos zu sehen, war dann aber doch noch etwas verfrüht.

Nur, weil ein Ort nah ist, heißt das noch nicht, dass man schnell da ankommt. Wir haben noch deutlich über eine halbe Stunde gebraucht, um endlich, am Ende mit den Nerven, in ein neues Auto steigen zu können, und um halb zwölf im Hotel anzukommen.
Der Samstag folgt im nächsten Eintrag.