Und tatsächlich, heute waren die Tore geöffnet. Das ganze Areal ist mit Gräbern übersät, die größtenteil nur etwa einen Meter tief sind. Doch einige der Gräber sind deutlich tiefer in die Erde gegraben, teilweise mit Treppenstufen zugänglich. Eines der Gräber ist sogar so groß, dass man darin mühelos stehen kann. Schon beeindruckend, wie viel Mühe sich die Menschen vor 4000 Jahren machten, um ihre Toten zu ehren. Heute gibt’s im besten Fall noch Primeln auf das Grab.







Dummerweise hat heute das Wetter nicht so wirklich mitgespielt, es hat immer wieder geregnet, anfangs nur der Nieselregen, später dann teilweise sogar richtiggehende Wolkenbrüche.
Pünktlich zur Ankunft in Chaniá sind die Wolken dann allerdings wieder aufgerissen, und die Stadt, geprägt von der Byzantinischen und venezianischen Herrschaft, hat sich von seiner besten Seite gezeigt.

Leider auch von seiner touristischsten. Überall um den venezianischen Hafen herum sind kleine Restaurants, die mittels penetrantem Anwerben versuchen Gäste zu bekommen. Ich hasse es, innerhalb von 10 Minuten etwa 20mal angesprochen zu werden, ob ich nicht etwas essen möchte. Einer der Anwerber hat sich dann auch nach bösem Blick mit den Worten, „Oh, you want no more. Ok!“ zurückgezogen.

Gut so, denn wenn ich ständig zum Essen gehen würde, würd ich bald so aussehen, wie die Hunde hier in Chaniá, denn die sind ausnahmslos alle unglaublich fett.

Der byzantinische Einfluss macht sich hauptsächlich durch viele Moscheen und Minarette bemerkbar, eine davon steht direkt am Hafen. Deren Minarett ist allerdings im 2. Weltkrieg zerstört worden. Und die Kreter haben kein Interesse daran, daran etwas zu ändern. Uns fällt deutlich auf, dass Türken in Kreta und Griechenland allgemein nicht gut gelitten sind.


Danach konnten wir einigermaßen ungestört den Weg über den Hafenschutzwall bis zum Leuchtturm genießen. Der Blick von hier zum Meer und zurück in den Hafen ist wirklich sehr schön. Und hier gibt es keine Gaststätten, die Gäste brauchen!






Die Innenstadt selber ist sehr eng und verwinkelt, nicht unähnlich der Innenstadt von Regensburg. Die Hauswände sind genauso schief und wahrscheinlich von Schimmel zerfressen. Zwei Unterschiede allerdings gibt es. In Chaniá ist etwa jedes vierte Haus eine Ruine. Und hier wachsen Zitronen- und Olivenbäume direkt vor der Haustür. Letzteres ist beneidenswert, ersteres nur traurig.

Aber auch in der Stadt hält die Touristenabzocke nicht still. Ganze Straßen sind wie ein riesiger Markt aufgebaut, in dem jeder mögliche Tand verkauft wird. All zu viele Kreter, mit Ausnahme der Verkäufer, sieht man hier aber verständlicherweise nicht.

Auf dem Weg nach Rethímnon, der zweiten größeren Stadt im Westen von Kreta, ist dann wieder der Himmlische Wasserhahn voll aufgedreht worden, und wir haben beschlossen, den heutigen Tag ohne eine weitere venezianische Stadt zu beenden.
Auf dem Weg zurück haben wir aber doch tatsächlich noch einen weiteren Schatz gefunden. Hinterhalb von Balí stehen direkt am Rand der Schnellstraße unzählige kleine Wellblechbaracken, in denen alte Mütterchen frische Orangen, Zitronen und Mandarinen verkaufen. Im ersten Moment erschienen mir die 10€ pro Tüte etwas viel, aber beim Anheben der einzelnen Tüten hat sich das dann wieder relativiert. Die Dinger sind gut schwer, fünf Kilo hat ein Säckchen sicherlich. Und die 2 Euro, die die Verkäuferin für sich selber haben wollte, hat sie dann auch noch bekommen.
Und die Orangen sind ihr Geld wert! Von der Größe würden die bei uns ohne weiteres als Grapefruit durchgehen, die Mandarinen haben deutsche Orangengröße, und die sind allesamt nicht im Flieger nach Deutschland gereift, sondern unter praller Sonne am Baum. Und jeden Sonnenstrahl schmeckt man!

Morgen steht der Osten Kretas mit Ierapétra und dem „Tal der Toten“ an. Mal sehen, was das Wetter zu unseren Plänen sagt.
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