Sonntag, 19. April 2009

Elafonísi oder 500km und keine Tankstelle in der Nähe

Eigentlich sind wir beide viel zu fertig, um noch einen Eintrag zu machen.

Deswegen erst mal nur soviel: Der Tag war wieder wunderschön, auch wenn es in der Früh nicht danach ausgesehen hat, und ganz am Abschluss des lustigen Teils heute sind wir durch aufziehende Wolken noch schneller geworden als geplant.

Mehr gibt es morgen in einem Nachtrag zu diesem Post. Dann auch mit Bildern. Jetzt ruft die Spa-Blubber-Badewanne und dann das Bett.

Nachtrag:
Wie versprochen hier der Nachtrag vom getrigen Ausflug. Gleich vorweg, sehr viele Bilder!

Geplant war, in den äußersten Südwesten zu fahren, und die unter Naturschutz stehende Insel Elafonísi zu begehen. Angeblich kann man da ja vom Festland rüberwaten, ohne allzu nass zu werden, nur bis zu den Oberschenkeln.

Der Weg dahin war anfangs ganz angenehm, an der New Road über Iráklion und Réthimnon. Die Straße führt an der Küste lang, mit zahlreichen kleinen Parkplätzen, die zum Anhalten und Fotografieren einladen, da die Aussicht wirklich schön ist.



Kurz nach Réthimnon sind wir für einen kleinen Abstecher zur minoischen Nekropole von Arméni abgefahren. Die Beschilderung zu den Sehenswürdigkeiten ist auf Kreta im Übrigen deutlich besser als zu den einzelnen Orten, abgesehen, von Schildern, die unversehen nach einer Kurve nach rechts weisen. Schon mal mit voller Fahrt (also 60 kmh) eine knapp 120° enge Kehre gefahren? Ich jetzt schon. Als wir dann angekommen sind, war wie befürchtet, dank Ostersonntag abgeschlossen. Für ein paar Bilder durch den Zaun durch hat es dann aber doch noch gelangt.



Nachdem eine Insel nicht abgesperrt sein kann, sind wir dann wieder zurück auf die New Road, und weiter Richtung Chaniá. Kurz nach Chaniá geht die Straße wieder an die Küste zurück.



Im Westen angekommen weist uns ein Schild in Plátanos zu einem alten römischen Hafen namens Falássarna. Neun km Umweg einfach, was kann daran schon so schlimm sein? Und landschaftlich ist es mal wieder einmalig, von oben kann man die ganze Steilküste überblicken, und auch der Weg ist nach unten ist zwar serpentinig, aber gut befahrbar.



Klein Bemerkung am Rande: Wir sind beide das erste Mal im Leben in einem Land, in dem wir außer der Sprache auch die Schrift nicht kennen. Und auch wenn sehr viele Schilder in den Zentren zweisprachig sind, heißt das nicht, dass das im Hinterland auch zutrifft. Kleines Beispiel gefällig?



Kurz vorm Ziel war's dann vorbei mit noch erträglichen Straßen. Ein kleiner Feldweg führt hier durch Olivenhaine und Obstplantagen vorbei an Ziegen zu dem alten Hafen, der verlassen wurde, als sich die Insel auf dieser Seite durch ein Erdbeben gehoben hat.



Danach wieder den Schotterweg zurück, und ab Richtung Elafonísi, also von ganz Nord nach ganz Süd auf einer Küstenstraße, die den Namen eigentlich nicht verdient, Schluchtstraße mit einigen wenigen Seitenbegrenzungen würde es besser treffen. Abgesehen von den wirklich wahnsinnig fahrenden Kretern muss man auch noch auf Ziegen, Schafe und Esel aufpassen, die nach jeder Kurve unvermittelt auf der Straße stehen können. Wenn nicht mittendrin mal ein Baum auf dem Weg liegt, oder ein Steinschlag das Auto die Schlucht runterkippt.

Ich hab ja nichts gegen etwas schwierigere Straßen, aber fast zwei Stunden nur Nadelöhrkurven, Steigungen und Gefälle jenseits von Gut und Böse, Killerziegen und mannshohe Steinbrocken mitten auf dem Weg, mit dieser Schrottkarre, die sich Toyota Yaris nennt, sind sogar für mich zu viel. Auf jeden Fall für mein linkes Bein, dass sich durch das ständige Kuppeln anfühlt, als wäre jeder Muskel aus Stein.



Kurz vorm Südwest-Zipfel sind wir dann noch auf das kleine Kloster Chrissoskalítissa gestoßen, angeblich wohnen hier noch genau ein Mönch und eine Nonne. Auf jeden Fall läßt es sich hier wohl recht gut leben, mit dem Ausblick jeden Morgen.



Nach gut sechs Stunde Fahrt sind wir dann endlich in Elafonísi angekommen. Und ja, man wird beim Waten bis zum Oberschenkel nass. Dumm nur, dass damit das obere Ende des Oberschenkels gemeint ist.



Mit klitschnasser Hose sind wir dann die Insel abgewandert, der böse Wolf läßt grüßen, bis wir an die westlichste Stelle mit einem Leuchtturm, Kapelle und zwei Gedächtnisstätten gekommen sind. Eine ist anscheinend nach einem Massaker an fast 700 Kretern, hauptsächlich Frauen und Kinder, von türkischen Besatzern 1824 errichtet worden, das andere Anfang des 20 . Jahrhunderts, als einige österreichische Seeleute hier gekentert und ertrunken sind. Danach soll deer Leuchtturm errichtet worden sein.



An der in der Kapelle liegenden Zeitung erkennt man, welcher Nationalität der letzte Kapellenwart war, und wann er dort war.



Auf dem Weg zurück sind dann Wolken und ein empfindlich kalter Wind aufgezogen, und wir sind etwas schneller zurück- als hingegangen. Und wenn man genau sucht, findet man auch eine Stelle, an der die Oberschenkel nur bis zur Mitte nass werden.




Und man wird mit besonderen Lichtverhältnissen belohnt, die man auf der anderen (Festland-)Seite auch gemießen kann.



Auf dem Weg zurück zum Hotel durch die Topólia-Schlucht war dann nicht mehr zuviel Zeit zum anhalten und Fotografieren, da sich die Tankanzeige beständig gen leer geneigt hat, und noch 300 km vor uns lagen und keine einzige Tankstelle auf dem ganzen Weg offen hatte.



Buchstäblich mit dem letzten Tropfen sind wir dann um kurz vor 23 Uhr im Hotel angekommen. Deswegen nur noch ein Bild vom wohl einzigen Tunnel in ganz Kreta, und unser nächster Weg führt uns hoffentlich zu einer Tankstelle, da ich keine Lust habe den Karren bis zur nächsten Zapfsäule zu schieben.



Jetzt müssen wir nur noch bis um 14 Uhr warten, bis unsere Reisebegleiterin zum Infogespräch antanzt.

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