Geplant war die Strecke nach Süden bis Mátala, durch Gebirgsstraßen, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Sowohl steinzeitliche, als auch minoische, dorische und römische Bauten standen auf der Tagesordnung. Kurz, gut 6000 Jahre menschliche Kultur in einem Tag. Mit einem Auto, das jeden Tag mehr Macken hat. Jetzt quietscht er schon bei Gasgeben und Bremsen. Ich hoffe, das Mistding fällt erst auseinander, wenn wir wieder abgeflogen sind. Denn auseinanderfallen wird es, eher früher als später.
Erste Station war die ehemalige dorische Siedlung Lyttos in den Bergen nordwestlich der Lassíthi-Hochebene. Angeblich war Liménas Chersonísou bei uns hier der Hafen für Lyttos. Ein Abenteuer war es schon, die Stätte überhaupt zu finden. Natürlich wieder über Rumpelwege, in deren Mitte später dann auch noch Büsche gewachsen sind. Das kratzende Geräusch von Ästchen, die über den Unterboden schleifen, immer wieder mal unterbrochen vom metallischen Klingen, wenn statt Busch ein Stein den Unterboden berührt hat, war alles andere als wohlklingend.

Letztendlich sind wir dann doch angekommen, wo wir hinwollten, nur um festzustellen, dass alles mal wieder voll blühendem Gewächs ist, in dem sich Myriaden summender Bienen versteckt hatten, nur um mich hinterhältig krankenhausreif zu stechen. Diesmal hat meine Panik gesiegt, und nach nur kurzer Zeit habe ich dann aufgegeben. Ein paar Bilder gibt es aber doch. Und ja, die Aussicht war wieder sehr schön von da oben.





Nach Lyttos sollten dann die alten Orte Arkádes, Priansós und Ríthion drankommen. Einzig von Arkádes konnten wir ein Schild ausmachen, das dann aber doch nur in die Prärie geführt hat, ohne Ergebnis.

Mit Hilfe von Google haben wir inzwischen ausmachen können, wo das Plätzchen ist, aber wenn bei einer kleinen Abzweigung nach rechts kein Schild steht, dann findet man das nicht, und landet halt in irgendwelchen Weinbergen, bei denen man dankbar wäre, wenn nur Büsche in der Mitte des Weges wachsen würden, und nicht irgendwelche Stangen rausstehen.
Die anderen beiden Orte sind uns noch immer ein Rätsel. Es lebe die kretische Straßenführung. Das ganze hat uns dann gut eine Stunde gekostet, und das war genau unsere Planschzeit, wie sich später herausgestellt hat.
Ein kleiner Lichtblick war aber, dass der Begriff Eselskarren hier wohl etwas anders gedeutet wird.

Wenigstens unser nächstes Großziel konnten wir finden, was auch nicht besonders schwer ist, da das direkt an der Straße liegt. Górtyna, die ehemalige bis 824 bewohnte römische Hauptstadt der Provinz Kreta und Cyrenaica (Libyen), von der neben Grundmauern auch noch einige hohe Mauern stehen. Auch der größte Apollontempel dieser Region ist in großen Zügen vom Grundriss noch erhalten. Hier hat dann die Panik Auszeit haben müssen, es war zuviel zu sehen, als dass mich ein paar Tausend Bienchen daran hätten hindern können, durch die Blumen zu stapfen, um Bilder zu bekommen.







Nächstes Ziel der Reise war der zweitgrößte minoische Palast, Faistós. Angeblich von Minos Bruder gegründet und regiert, soll sogar Homer dort gewesen sein. Ich fand den Palast beeindruckender als Knossós, da er zum Teil noch besser erhalten ist, und hier auch noch weiter gegraben wird, und immer mehr zurück ans Tageslicht kommt.






Weiter ging es Richtung Kommós, früher der Hafen von Faistós. Leider ist das Areal umzäunt und nicht zugänglich, von einer Klippe oberhalb des Geländes kann man aber doch einen recht schönen Überblick bekommen.

Letzte Station waren der Strand und die steinzeitlichen Wohnhöhlen von Mátala. In den Wohnhöhlen sind in den 70er Jahren zahlreiche Hippies untergekommen, die sich dann auch gleich namentlich verewigt haben. Unter anderem soll hier auch Bob Dylan einige Monate verbracht haben. Ganz toll, neben uralten Wandmalereien dann eine Adresse eines John Tucker zu finden, der sich hier A.D. 1975 aufgehalten hat. Da hatten die ersten Bewohner ein paar Jahrtausende früher wohl noch mehr Hirn als der gute Mann.




Mit Strand war’s dann allerdings nichts mehr, da Wolken aufgezogen sind. Eine Stunde früher wär’s noch schön gewesen. Und Schuld dran ist wer? Genau, nur die dumme Straßenführung.
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